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Yorck Kronenberg: Mondariz, Dörlemann, 287 S., gebunden, 22 €

Der Pianist und Komponist sowie unterdessen auch erfolgreiche Schriftsteller Yorck Kronenberg hat die fiktive atlantische Vulkaninsel Mondariz zum Schauplatz seines neuen Romans erwählt, und man könnte sagen, dass sie – neben einem dorthin reisenden Musikwissenschaftler und einem geheimnisumwitterten Komponisten namens José Diego Coimbra – auch die Hauptfigur dieses Romans ist. Der Autor findet sichtbaren Gefallen, seinen Lesern die Landschaft der imaginären Insel vor der Küste Uruguays in den wechselnden Beleuchtungen der Wetterlagen und Tageszeiten vor Augen zu stellen. Ihrer derart immer wieder eindrücklich beschworenen Gegenwart korrespondiert die nicht weniger zauberhafte Gestalt des Komponisten Coimbra, der auf der Insel gelebt hat und dessen Spuren der Ich-Erzähler nachfolgt. Stellt man in Rechnung, dass der Pianist Yorck Kronenberg in seinen Konzerten auch Werke dieses sagenumwobenen Komponisten spielt, liegt die Vermutung nahe, dass es sich bei der ganzen Dreieckskonstellation von Forscher, Musiker und Insel um eine Inszenierung diverser Alter Egos des Künstlers handelt – mit anderen Worten um eine geradezu klassische Konstellation, wie sie die literarischen Inselphantasien seit mehr als drei Jahrtausenden in unendlichen Variationen durchgespielt haben und weiter pflegen.