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Yoko Tawada: Sendbo-o-te, Konkursbuch, 200 S., kartoniert, 12,90 €

Die in Berlin lebende japanische Schriftstellerin Yoko Tawada hat einen postapokalyptischen Inselroman geschrieben, der in einem von der übrigen Welt abgeschnittenen Japan spielt, in dem fast alle Tiere ausgestorben, die Pflanzen mutiert, die Böden vergiftet sind und die Neugeborenen mit unheilbaren Krankheiten zur Welt kommen. Indes erschließt sich dem Leser dieses Szenario erst ganz allmählich bei der Lektüre, etwa durch die an seinen Urenkel gerichteten Erzählungen des hundert Jahre alten Dichters Yoshiro. Denn tatsächlich geht das Leben auch nach der Katastrophe weiter: Über die in den Städten klaffenden Abgründe wurden Glasplatten verlegt, die Restaurants sind nach wie vor mit zahllosen Gästen bevölkert, die essen und trinken, so viel sie können, und private Polizeitruppen ziehen als Blaskapellen durch die Straßen. Was für eine Art Katastrophe genau sich ereignet hat, erfährt der Leser dieser poetisch und leise erzählten Geschichte nicht, aber er beginnt allmählich zu ahnen, dass eine ähnliche Katastrophe auch in seiner eigenen Weltgegend geschehen sein könnte.