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William Heinesen: Hier wird getanzt!, Guggolz, 352 S., gebunden, 24 €

Der Verleger Sebastian Guggolz, der schon so manches versunkene Kleinod der nord- und osteuropäischen Literatur zutage gefördert hat, ist diesmal auf den Färöer-Inseln fündig geworden. William Heinesen (1900-1991) gilt als der bedeutendste Dichter der Färöer – gleichwohl hat er seine Werke nicht in der Insel-, sondern in der dänischen Hochsprache (bzw. in einer sehr eigenwilligen Version derselben) verfasst, die bis 1948 einzige offizielle Amtssprache auf den Färöer gewesen ist. Parallel zu seiner schriftstellerischen Tätigkeit trat Heinesen auch als bildender Künstler in Erscheinung, der in seinen Zeichnungen, Pastellen und Wandgemälden mit Vorliebe Motive aus der Sagenwelt der Färöer verarbeitet hat. Neben den Eindrücken der arktischen Küstenlandschaften bilden die Mythen und Geschichten, die das einfache Volk sich von Generation zu Generation weitererzählt, auch das wichtigste Reservoir, aus dem seine literarischen Texte schöpfen. In der inselhaften Abgeschiedenheit der Färöer sieht Heinesen nicht zuletzt Aspekte der mittelalterlichen Vergangenheit, wo nicht einer mythischen Vorzeit konserviert. Die Motive der insgesamt 17, zum großen Teil erstmals in deutscher Übersetzung vorliegenden Erzählungen aus den Jahren 1957 bis zu seinem Tod, die der Sammelband vereinigt, sind durchweg vom Alltagsleben der Färinger, ihren Bräuchen und den unter ihnen kursierenden Geschichten inspiriert. Oft genug atmen sie eine spröde Melancholie, in der sich die raue unwirtliche Welt des hohen Nordens spiegelt – doch kann sich das Geschehen aus diesem oder jenem Anlass auch in gleichsam dionysische Euphorie steigern, wie es der Titel der Auswahl zurecht verspricht.