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William Finnegan: Barbarentage, Suhrkamp, 568 S., gebunden, 18 €

„Das Ideal, das sich jetzt herausbildete, bestand in Einsamkeit, Reinheit, der perfekten Welle fernab jeder Zivilisation, Robinson Crusoe, The Endless Summer. Dieser Weg führte weg vom Bürgerlichen, in der althergebrachten Bedeutung des Wortes, hin zu einer selbstgezimmerten Grenze, an der wir als neuzeitliche Barbaren leben würden.“ Auf diesen Satz bringt William Finnegan an einer Stelle seiner mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichneten Autobiographie Barbarentage die in der Verheißung des Surfens eingeschlossene Attitüde eines antibürgerlichen Aussteigertums. Der 1952 in Florida geborene, auf Hawaii aufgewachsene Autor wurde als Reporter des New Yorker mit seinen Reportagen und Kommentaren über Kriege, Rassismen und globale Krisen bekannt. Mit seinem jetzt auf Deutsch erschienenen Erinnerungsbuch liefert er eine aus eigener lebenslanger Sucht gespeiste Studie über die Geburt der Surfkultur aus dem Geist der Teenagergeneration von 1968, die trotz der Fülle der aus der Surfersprache entliehenen (in einem anhängenden Glossar übersetzten) Ausdrücke auch für Nicht-Surfer eine hochspannende Lektüre ist. Denn womöglich bringt ja gerade dieser einsame Ritt auf der Welle das Lebensgefühl einer Generation auf den Punkt, die im Spannungsfeld von individueller Selbstverwirklichung, rauschhaftem Begehren und Zivilisationsüberdruss nach dem Moment der unmöglichen Authentizität sucht.