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William E. Glassley: Eine wildere Zeit. Aufzeichnungen eines Geologen vom Rande des Grönland-Eises, Verlag Antje Kunstmann, 223 S., gebunden, 22 €

Echte Wildnis ist im 21. Jahrhundert auf der Erde selten geworden, und ebenso rar sind Reiseberichte, die gleichermaßen eindrücklich von deren letzten Enklaven als auch der Katastrophe ihres Verschwindens und dem daran maßgeblich beteiligten Menschen erzählen. Dem Geologen William E. Glassley, der insgesamt fünf Expeditionen ins Innere Grönlands unternommen hat, gelingt in seinem ersten, an eine breite Leserschaft gerichteten Buch, erstaunlicherweise beides und mehr: Der emeritierte Professor der Universitäten von California sowie Aarhus in Dänemark vermag es – aus der doppelten Perspektive des aufmerksamen Forschers und staunenden Beobachters – die im wahrsten Wortsinn erhabene Landschaft Grönlands mit ihren bizarren und malerischen Eis- und Gesteinsformationen und der kargen Flora und Fauna als eine Art Sinnbild des von der menschlichen Hybris bedrohten Planeten vor das Auge seiner Leser zu stellen. Seine naturwissenschaftlichen Untersuchungen an den Grenzen der bekannten Welt und die daraus resultierenden überraschenden geologischen Thesen münden in einem poetischen Appell, diese selbe Wildnis vor der sie zerstörenden ökonomischen Diktatur der Gegenwart zu retten und sie künftigen Generationen zu bewahren.