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Ulrich Schacht: Notre Dame, Aufbau, 431 S., gebunden, 22 €

Die zu Beginn der 1990er Jahre spielende Handlung von Ulrich Schachts Roman Notre Dame verbindet die politischen Umbrüche der „Wendezeit“ mit einer sich parallel dazu ereignenden Liebesgeschichte. Angesichts der von Schacht schon in zahlreichen Texten bekundeten Affinität zu insularen Schauplätzen ist es dabei kaum zufällig, dass neben der Wendestadt Leipzig zwei Inselszenerien eine Schlüsselfunktion im Romanverlauf zufällt: Neben der Pariser Seine-Insel Île de la Cité mit der dort befindlichen Kathedrale Notre Dame, die der Erzählung Rahmenhandlung und Titel leiht, ist es im Mittelteil des Romans der Archipel der Färöer, den der Romanheld Torben Berg bereist und wo er einen langen Brief an seine Geliebte, die Studentin Rike, verfasst, in dem sich äußere und seelische Landschaftsbilder überlagern und verbinden. Ulrich Schacht stellt sich in seinem bisher umfangreichsten Opus der Herausforderung, eine romantisch disponierte Liebesgeschichte ohne Sentimentalität zu erzählen und schafft mehr als nur das: nämlich ein sprachmächtiges Gleichnis auf die Irr-, Ab- und Umwege des Begehrens in unseren postmodernen Zeiten – und ein Bekenntnis dazu.