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Sigrídur Hagalín Björnsdóttir: Blackout Island, Suhrkamp, 276 S., kartoniert, 10 €

Man könnte sagen, das die im hohen Norden gelegene Insel Island schon aufgrund ihrer Existenz und landschaftlichen Erscheinung so etwas wie einen apokalyptischen Schimmer an sich trägt. Nicht umsonst wird sie gern mit dem sagenhaften, am Weltrand gelegenen Thule identifiziert und fungierte im Mittelalter als selbst schon mythischer Hort der Mythologie der alten Germanen. Dass dieselbe bis heute nur dünn besiedelte Insel überdies seit einigen Jahrzehnten begabte Schriftsteller (und Fußballer) in exorbitanter Größenordnung hervorbringt, ist bekannt (wenn auch bisher nicht plausibel erklärt worden). Insofern hat es eine gewisse Logik, wenn eine isländische Journalistin mit einem dystopischen Inselroman an die Öffentlichkeit tritt, der der einfachen Frage nachgeht, was passiert, wenn ein Ort dieser Welt plötzlich von derselben sowie auch vom Internet abgeschnitten wird, das Geld schon bald seinen Wert verliert und die Vorräte an Treibstoffen und Nahrungsmitteln knapp werden. Die danach einsetzende, alles Gewesene gleichsam einfrierende und entwertende Kälte (die sich auch im nüchternen Erzählstil der Autorin spiegelt) könnte nach Lage der Dinge demnächst nicht nur in Thema eines isländischen Romans, sondern an jeder Stelle dieser Welt die banale Realität sein…