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Qiu Miaojin: Aufzeichnungen eines Krokodils, Ulrike Helmer Verlag, 318 S., Klappenbroschur, 20 €

Die taiwanesische Psychologin und Autorin Qiu Miaojin (1969–1995), wurde gerade 26 Jahre alt. Sie starb unter nicht ganz geklärten Umständen (anscheinend durch Selbstmord mit einem Küchenmesser) in Paris kurz nach der Publikation ihres Romans Aufzeichnungen eines Krokodils, dessen feministische Perspektive heute als epochal in der jüngeren chinesischen Literatur gilt. Der autobiographisch inspirierte, tagebuchartig aufgebaute Romans wurde nicht nur deswegen zum Kultbuch, weil seine Heldin, die lesbische Studentin Lazi, offen ihr homoerotisches Verlangen thematisiert, er liefert auch eine sensible Aufzeichnung des gesellschaftlichen Aufbruchs im Taiwan der 90er Jahre. Das im inneren der Heldin hausende, den Titel des Buches liefernde „Krokodil“ zeigt sich als Metapher des diesen Aufbruch tragenden Begehrens. Dessen intellektuelle Referenzen reichen von der japanischen Kulturtradition bis zum französischen Existenzialismus, die sich im Denken der Autorin assoziativ verbinden.