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4. Mai 2019
„Ob die Möwen manchmal an mich denken?“
Kristine von Soden
Erzählungen von den Inseln

Erzählungen von den Inseln III.2019

„Ob die Möwen manchmal an mich denken?“

Die Autorin Kristine von Soden präsentiert ihr im AvivA Verlag erschienenes Buch über die Vertreibung jüdischer Badegäste an der Ostsee in den 1920er und 30er Jahren

Lange bevor der Antisemitismus mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten in ganz Deutschland zur Staatsdoktrin wurde, machte sich in den Ostseebädern schon seit den 1920er Jahren ein spürbarer „Progromwind“ bemerkbar, wie es in einer zeitgenössischen Reflexion heißt. Dabei bildete die Insel Rügen keineswegs eine Ausnahme. In Binz wehten bereits 1924 Hakenkreuzfahnen von den Giebeln eines großen Strandhotels und Zeitungsverkäufer boten nebenher Hakenkreuze an. Die Badeverwaltung von Lohme erklärte ihrerseits im Jahr darauf auf Anfrage, dass „jüdisches Publikum dort nicht gern gesehen werde“. Immerhin attestierte der Schriftsteller Joseph Roth nach einem Besuch der Insel den Rüganern, dass sie nicht „hakenkreuzlerisch von Natur aus“ seien, vielmehr würde der „völkische Dunst“, der sich über Purpurknabenkraut und Frauenschuh legt, von den auswärtigen Badegästen nach Rügen transportiert.

In akribischen Archiv- und Presserecherchen hat die Historikerin und Journalistin Kristine von Soden historische Dokumente über den schon seit Ende des Ersten Weltkriegs rasant zunehmenden Antisemitismus in den deutschen Ostseebädern zusammengebracht. Ihre Materialsammlung über die Diffamierung und Vertreibung jüdischer Badegäste reicht von amtlichen Schreiben bis zu Briefen, Tagebuchaufzeichnungen und Erinnerungen bekannter Zeitgenossen wie Hannah Arendt, Mascha Kaléko, Eva und Victor Klemperer, Käthe Kollwitz, Else Lasker-Schüler und Kurt Tucholsky. Mit ihrer vielstimmigen Dokumentation beleuchtet die Autorin eines der dunkelsten Kapitel der Kulturgeschichte der Ostseebäder und konfrontiert ihre Leser mit bestürzenden Passagen.

Der Eintritt ist frei, Voranmeldung erbeten unter 038392 677476 oder per Mail an kontakt@dahlmannsbazar.de