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Min Jin Lee: Ein einfaches Leben, dtv, 552 S. gebunden, 24 €

Zur selben Zeit wie der mit dem Deutschen Buchpreis gekrönte Familienroman Archipel von Inger-Maria Mahlke, der die welthistorischen Ereignisse des letzten Jahrhunderts aus der insularen Perspektive Teneriffas ins Auge fasst, kommt auch ein Roman der Autorin Min Jin Lee auf den Markt, die als Tochter südkoreanischer Emigranten in den USA lebt. Vor demselben Hintergrund der großen Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts erzählt Lee das Schicksal einer Familie sogenannter „Zainichi“, wie man in Japan – mit diskriminierendem Unterton – dort lebende „Ausländer“ nennt, konkret koreanische Emigranten, die oft bereits in zweiter und dritter Generation in Japan beheimatet sind.  Die Hauptheldin der Geschichte ist die aus einem südkoreanischen Fischerdorf stammende Sunja, die nach der Besetzung Koreas durch die Japaner 1910 nach Osaka gelangt und sich im Verlauf eines entbehrungsreichen und von tragischen Ereignissen begleiteten Lebens in Japan schließlich einen bescheidenen Wohlstand erschafft. Ihre Lebensgeschichte und die ihrer Familie mit zwei Söhnen und Enkeln wird in epischer Breite bis zum Ende der 1980er Jahre erzählt, wobei die Schlüsselereignisse des Romans in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts liegen, auf die entsprechend auch der Fokus der detailreichen und sorgfältig recherchierten Erzählung gerichtet ist.