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Michael Crummey: Die Unschuldigen, Eichborn, 352 S., gebunden 22 €

Aus Kanada, dem Gastland der weitgehend ausgefallenen Frankfurter Buchmesse von 2020, kommt eine Inselgeschichte mit ebenso verführerischen wie verstörenden Facetten: der Roman Die Unschuldigen von Michael Crummey. Mit schnörkelloser Prosasprache erzählt der in Neufundland aufgewachsene Lyriker und Romancier die Geschichte eines an der einsamen und unwirtlichen Küste dieser Insel beheimateten Geschwisterpaars – eines Jungen und eines zwei Jahre jüngeren Mädchens –, das im Alter von elf bzw. neun Jahren beide Eltern verliert. Die zu Beginn des 19. Jahrhunderts angesiedelte Geschichte dreht sich um den alltäglichen Überlebenskampf der Geschwister im trostlosen Klima des hohen Nordens und läuft dabei wie beiläufig auf deren einsetzende Pubertät, das erwachende sexuelle Begehren und die inzestuöse Begegnung hinaus. Der Roman schaffte es auf die Shortlist mehrerer renommierter englischsprachiger Literaturpreise und liegt nun im Eichborn Verlag in deutscher Übersetzung vor.