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Martin Schneitewind: An den Mauern des Paradieses, dtv, 400 S., gebunden, 24 €

Von dem Autor Martin Schneitewind heißt es im Umschlagtext dieses Buches, er sei 1945 als Kind deutsch-französischer Eltern in Straßburg geboren, habe nach einem Studium der Theologie in Tübingen und Reisen nach Südamerika in der Stadtverwaltung von Straßburg gearbeitet und sei 2009 gestorben. Das in französischer Sprache verfasste, jetzt in der deutschen Übersetzung von Raoul Schrott vorgelegte Werk sei sein einziger Roman. Dessen Handlung ist in einer Zukunft angesiedelt, in der die Mauer zwischen den USA und Mexiko längst vollendet und China zur Weltmacht avanciert ist sowie der ansteigende Meeresspiegel weite Teile Asiens überschwemmt hat. Von dort sind gigantische Flüchtlingsströme in Richtung Naher Osten unterwegs, wo wiederum ein gewisser Dr. Tauth den Bau eines den Persischen Golf querenden Staudamms koordiniert. Im Zuge der Bauarbeiten wird die in altbabylonischen Texten erwähnte Paradiesinsel Dilmun berührt und auf dieser kommen beschriftete Tontafeln nach Art der altorientalischen Überlieferungen des Gilgamesch-Epos zutage. was wiederum den Orientalisten David Ostrich auf den Plan ruft. Dem wird bei seiner Ankunft am Golf indes schnell klargemacht, dass er vor einem Blick auf die mythischen Tontafeln zunächst einmal die verschwundene Tochter des ominösen Dammbaumeisters Tauth finden müsse. Ob die zwischen dystopischer Zukunftsvision und altphilologischen Spitzfindigkeiten changierende Romanhandlung, die sich hieraus entwickelt, tatsächlich auf die Phantasie eines verstorbenen Mitarbeiters der Straßburger Stadtverwaltung zurückgeht, von dem kein französischer oder deutscher Leser je gehört hat, scheint uns mehr als fraglich. Ungleich verdächtiger sind zwei einschlägige Österreicher: der vermeintliche „Übersetzer“ Raoul Schrott und Schneitewinds angeblicher Jugendfreund Michael Köhlmeier, der ein ausführliches Nachwort beigesteuert hat.