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Maggie Nelson: Bluets, Hanser Berlin, 112 S., gebunden, 17 €

Die in Los Angeles lebende amerikanische Dichterin und Essayistin Maggie Nelson hat unter dem Titel Bluets ein Buch vorgelegt, das sich der einfachen Einordnung – sei es als Sammlung poetischer Fragmente oder philosophischer Essay – entzieht. Es ist das eine wie das andere, am ehesten ein am Vorbild von Pascals Pensées und den Aphorismen der Frühromantik orientierter literarischer Grenzgang in 240 Miniaturen, wobei das verbindende Element all dieser die Farbe Blau ist. Im Original bereits 2009 erschienen liegt der Text jetzt als von dem Literaturwissenschaftler Jan Wilm einfühlsam übersetztes und anspruchsvoll gestaltetes Bändchen aus dem Verlag Hanser Berlin vor. Dabei reichen Nelsons Reflexionen von antiken Theorien des Sehens bis zu Liedtexten von Joni Mitchell und Leonard Cohen und vom Blau des Meeres bis zu erotischen Phantasien mit beinahe pornographischen Passagen, wie man sie seit Anais Nin wohl von keiner zeitgenössischen Autorin zu lesen bekommen hat.