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Kaspar Colling Nielsen: Der europäische Frühling, Heyne, 396 S., gebunden, 22 €

In seinem neuen Roman Der europäische Frühling leistet der dänische Autor Kaspar Colling Nielsen seinen Beitrag zum Genre der postmodernen Inselutopie, das seit kurzem immer mehr in Mode kommt. In dem von ihm ausgemalten Dänemark der nahen Zukunft herrschen chaotische Zustände. In den Großstädten toben Straßenkämpfe, und das Flüchtlingsproblem wird dadurch gelöst, dass man eintreffende Emigranten in eine vom dänischen Staat gepachtete Kolonie an der Küste Mosambiks deportiert. Die Helden des Buches, eine Neurowissenschaftlerin, ihr Mann Stig, seines Zeichens Galerist und ehemaliger Punk, sowie deren psychisch labile Tochter Emma entschließen sich im Verlauf der Erzählung zum Umzug auf die Insel Lolland, die als scharf bewachte Wohlstandsenklave mit ökologischer Bewirtschaftung vom übrigen Land abgeschottet ist. Doch sie werden von der um sich greifenden Dekadenz auch in ihrer künstlichen Idylle eingeholt: Während Emma bald als Helferin in die mosambikanische Flüchtlingskolonie zieht, versteigt sich der Galerist Stig zusammen mit einem sexsüchtigen Künstler in eine Performance mit dem Titel „Der europäische Frühling“, bei der alte Männer von jungen Frauen gestillt werden …