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José Luis de Juan: Der Bienenleser, Edition Converso 158 S., Klappenbroschur, 18 €

Die auf die Literatur des Mittelmeerraums spezialisierte, in Bad Herrenalb im Schwarzwald ansässige kleine Edition Converso hat in den letzten Jahren schon so manchen überraschenden literarischen Fund gemacht. Nun hat sie in der Reihe „Alltagshelden“ einen Roman des mallorquinischen Autors José Luis de Juan veröffentlicht, der auf überraschende Art und Weise die Geschichte von Napoleons Verbannung auf die Insel Elba reflektiert und für den der Autor den spanischen Literaturpreis „Premio Juan March Cencillo“ erhielt. Der ruhmreiche Napoleon erhält in Juans gleichermaßen ins Groteske und Surreale tendierenden Geschichte einen eigenwilligen Gegenspieler und Dialogpartner: in Gestalt des auf Elba ansässigen Imkers Pasolini, der nicht nur so manches über Bienen weiß, sondern sich auch ansonsten als überaus belesener und reflektierter Zeitgenosse präsentiert. Der ominöse Imker gehört nicht zuletzt einer Geheimgesellschaft von Bonapartisten um den aufrührerischen Padre Anselmo an und ist versiert darin, aus der Weisheit der Bienen weltgeschichtliche Visionen herauszulesen. Wer genau und warum in  diesem literarischen Kabinettstück als „Alltagsheld“ figuriert, ist uns nicht ganz klar geworden, auch haben wir beim Lesen öfters diesen oder jenen Faden verloren und uns mehr als einmal in unvermuteten poetischen Zwischenwelten wiedergefunden. Was insofern nicht wundern muss, als es auch Napoleon nicht viel anders geht ergeht, je mehr seine ersehnte Begegnung mit dem Imker heranrückt…