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Johannes V. Jensen: Himmerlands-Geschichten, Guggolz, 235 S., Gebunden, 22 €

Bereits vor drei Jahren hat der Berliner Guggolz Verlag mit einem von Ulrich Sonnenberg neu übersetzten Erzählungsband auf den zumindest in Deutschland zwischenzeitlich weitgehend vergessenen dänischen Autor Johannes V. Jensen (1873-1950), seines Zeichens Literatur-Nobelpreisträger des Jahres 1944, aufmerksam gemacht. Jetzt liegt ein weiterer Band seiner Himmerlands-Geschichten in bewährt sorgfältiger Edition und Aufmachung aus demselben Verlag vor. Diesem liegt die Originalausgabe von 1904 zugrunde, mit der Jensen an seine 1898 begonnene Reihe mit Geschichten aus eben jener bäuerlichen Welt anknüpfte, in der er selbst groß geworden ist. Ulrich Sonnenberg hat den nüchternen, auf die einfachen Verhältnisse seiner Helden eingestimmten Sprachstil Jensens ohne Pathos und Schnörkel ins Deutsche übersetzt. Das harte, zuweilen brutale, gleichwohl auch immer wieder poetische und tragikomische Landleben, das der Autor aus eigenem Erleben schildert, dürfte sich am Ende des 19. Jahrhunderts zwischen Rügen und Schleswig kaum viel anders dargestellt haben, zumindest abseits der sich etablierenden Seebäder und touristischen Enklaven. Wie wir schon nach der Lektüre des ersten Bandes seiner Erzählungen bemerkten, hat Johannes V. Jensen den namenlosen Helden der ländlichen Kultur des Ostseeraumes ein literarisches Denkmal geschaffen, dem nichts ferner ist als provinzielle Heimattümelei und das sich stilistisch mit den besten realistischen Erzählern im Europa des beginnenden 20. Jahrhunderts messen kann.