Go to Top

Johanna Holmström, Die Frauen von Själö, Ullstein, 368 S., gebunden, 22 €

Der Roman Die Frauen von Själö der in Helsinki lebenden, zur schwedischen Minderheit in Finnland gehörigen jungen Autorin Johanna Holmström basiert auf einer authentischen Geschichte, die zugleich eine kulturpraktische Seite von Inseln, nämlich die als prädestinierte Isolierstation, reflektiert: Auf der kleinen Insel Själö, die zu den finnischen Schären gehört, befand sich seit Ende des 19. Jahrhunderts eine Nervenheilanstalt für Frauen, deren Akten die Autorin eingesehen hat. Einige der dorthin eingelieferten Frauen macht sie mit ihren exemplarischen Lebensgeschichten zu den Heldinnen ihres Buches. Die Gründe für ihre Internierung sind höchst unterschiedlich – während die 1891 eingelieferte Kristina ihre Kinder ertränkt hat, scheint die schwer erziehbare 17-jährige Elli vierzig Jahre später allenfalls gegen die herrschenden gesellschaftlichen Konventionen rebelliert zu haben. Dank Holmströms Einfühlungsvermögen und unaufdringlichem Erzählton fügen sich die diversen Frauenschicksale zu einem Spiegel der zunehmend problematischen Geschlechterrollen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.