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Jan Kjærstad: Das Norman-Areal, Septime, gebunden, 24 €

Der Held und Ich-Erzähler dieses Romans, ein gewisser John Richard Norman, seines Zeichens einer der wichtigsten norwegischen Verlagslektoren, leidet mit einem Mal unter unstillbarem Brechreiz, sobald er auch nur ein Manuskript in die Hände nimmt. Er entschließt sich zu einer Auszeit, die er auf einer kleinen Insel im Oslofjord verbringt. Dort begegnet er der faszinierenden Ingrid, mit der ihn eine heftige Liebe auf den ersten Blick verbindet. Doch die sich entspinnende Liebesgeschichte steht auf psychisch unsicherem Boden: Schon vor Jahren hat der Neurologe Dr. Lumholtz bei der Behandlung des Helden nach einem Verkehrsunfall eine originäre Merkwürdigkeit an dessen Gehirn bemerkt: eben jenes „Norman-Areal“, das dem Buch den Titel gibt und in dem Lumholtz das Organ einer „Eros-Umwandlung“, wo nicht den Auftakt einer ganz neuen menschlichen Rasse zu erkennen glaubt. Die den Fortgang der Liebesgeschichte begleitenden biographischen Reflexionen tragen den offenkundigen Grund der Mutation im Hirn des Ich-Erzählers nach: nämlich die von ihm seit seiner Kindheit konsumierte Literatur und eine besondere Fähigkeit, sich in die gelesenen Bücher im wahrsten Wortsinn „hineinzuversetzen“. In der Folge verschwimmen die Differenzen von „Lesen und Leben“ – und auch bezüglich der laufenden Liaison ist immer weniger klar, ob es sich nicht weit eher um eine Art Suggestion des „Norman-Areals“ handelt. Immerhin gibt es da auch noch das hinterlassene Manuskript einer jung verstorbenen dänischen Autorin, dessen außerordentliche Wirkung auf Normans Hirn ebenso wenig bestritten werden kann. Der im Wiener Septime-Verlag in deutscher Übersetzung erschienene Roman des norwegischen Autors Jan Kjærstad handelt über die großen Themen von Liebe und Tod und vor allem über die Literatur selbst, die sich dieser Themen seit jeher mit Vorliebe angenommen hat.