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J.M.G. Le Clézio: Sturm. Zwei Novellen, Kiepenheuer & Witsch, 240 S., gebunden, 20 €

 

 

 

 

 

 

 

 

Jean-Marie Gustave Le Clézio, in Nizza aufgewachsener Sohn eines britischen Tropenarztes, Staatsbürger Frankreichs sowie der Insel Mauritius, von der seine mütterlichen Vorfahren stammen, und Literatur-Nobelpreisträger des Jahres 2008, entzieht sich mit seinen Texten allen Schubladen. Sein postkolonialer Blickwinkel auf die Welt und seine präzise literarische Sprache verbinden sich in seinen Texten zu einem originären multiperspektivischen Erzählstil. Bei Kiepenheuer und Witsch sind nunmehr zwei in Frankreich bereits 2014 veröffentlichte Novellen in deutscher Übersetzung erschienen, darunter die auf der koreanischen Insel Udo angesiedelte Erzählung Sturm, die dem Band den Titel gibt. Ihre beiden Helden und wechselnden Ich-Erzähler sind einerseits ein amerikanischer Veteran des Korea-Kriegs, der auf der Insel Erinnerungen an die Brutalität des Krieges sowie das spätere Verschwinden seiner Frau nachhängt, andererseits eine 13-jährige Einheimische und Tochter eines amerikanischen Soldaten, die ihren Vater nie kennengelernt hat. Meisterhaft erzählt Le Clézio die Begegnung des Mannes und des Mädchens am Strand der Insel und verbindet deren Geschichten mit einer Hommage an die legendären koreanischen „Seefrauen“, die vor der Küste der Insel nach Meeresfrüchten tauchen.