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Hartmut Lange: An der Prorer Wiek und anderswo, Diogenes, 128 S., gebunden, 20 €

Der inzwischen über 80-jährige Dramatiker und Novellist Hartmut Lange hat sich seit den 1980er Jahren als ein Meister der unheimlichen Erzählung einen Namen gemacht. Dabei sind es melancholisch gestimmte Schauplätze und merkwürdig getriebene, zuweilen fast somnambul wirkende Figuren, die die spezifische Unheimlichkeit seiner Texte – im besten Freudschen Sinne des darin zutage tretenden Heimlichen – suggerieren. Und es sind unvermutete Begegnungen, in denen das aus dem Alltag verdrängte Unheimliche vor diesen Schauplätzen gleichsam blitzlichtartig zutage tritt. Der in Posen aufgewachsene, später als Dramaturg am Deutschen Theater in Berlin tätige, 1965 in den Westen geflüchtete Autor hat in Interviews nicht zuletzt seine Kindheit zu Zeiten des Nationalsozialismus und das spätere Leben in der DDR für sein „unheimliches“ Lebensgefühl und seinen daraus abgeleiteten „positiven Nihilismus“ verantwortlich gemacht. In seinem neuesten Band ist die Umgebung von Binz Handlungsort gleich mehrerer kurzer Novellen, weswegen die Prorer Wiek dem Band denn auch den Titel gibt. Aber auch Caspar David Friedrichs Gemälde Der Mönch am Meer aus der Berliner Nationalgalerie wird im wahrsten Sinn des Wortes zum Schauplatz einer Erzählung.