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Hanns Cibulka: Sanddornzeit. Tagebuchblätter von Hiddensee, Matthes & Seitz Berlin, 88 S., Flexcover, 18 €

Der Bibliothekar, Lyriker und begabte Tagebuchschreiber Hanns Cibulka galt in der DDR als ein Geheimtipp mit Bestsellerpotenzialen und bleibt auch im historischen Rückblick eine bemerkenswerte Stimme in der deutschsprachigen Literatur des 20. Jahrhunderts. In diesem Jahr wäre der 1920 im schlesisch-mährischen Jägerndorf geborene Autor 100 Jahre alt geworden, was den Berliner Verlag Matthes & Seitz bewogen hat, in seiner Reihe Naturkunden die erstmals 1971 erschienenen Tagebuchblätter von Hiddensee neu herauszugeben. In Cibulkas Tagebuchprosa überlagern sich Eindrücke der erlebten Natur – Flora, Tierlaute, Ausblicke, Wolken – mit einer „inneren Landschaft“ aus dadurch angeregten Gedanken, Assoziationen und literarischen Zitaten. Sein einen Sommer währender Hiddenseeaufenthalt, bei dem das publizierte Tagebuch entstand, ist mitnichten von schlichter Inselromantik inspiriert. Vielmehr ist, vor allem am Beginn, eine innerliche Distanz des Beobachters zu der nordisch spröden Landschaft zu spüren, die sich erst im fortwährenden Dialog mit dieser mehr und mehr verliert. Dass im Jubiläumsjahr auch Cibulkas Rügen- und Sizilientagebücher noch in vergleichbaren, auch gestalterisch ansprechenden Neuauflagen erscheinen, wird wohl ein frommer Wunsch bleiben. Lust darauf macht die Lektüre der vorliegenden Tagebuchblätter von Hiddensee allemal.