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Halldór Laxness: Ein Spiegelbild im Wasser. Sämtliche Erzählungen, Steidl, 464 S., Leinen, 26 €

Der Göttinger Steidl Verlag macht sich schon seit Jahren um die Herausgabe von Werken des isländischen Nobelpreisträgers Halldór Laxness verdient und wartet nach zahlreichen in den letzten Jahren aufgelegten Romanen in diesem Frühjahr mit einer Ausgabe seiner sämtlichen Erzählungen auf. Der Band vereinigt – in chronologischer Ordnung – alle von Laxness publizierten Erzählbände mit insgesamt 34 Erzählungen sowie dem erstmals ins Deutsche übertragenen Prosatext Besuch im Winter aus dem Jahr 1956. Das Werk des bedeutendsten isländischen Autors des 20. Jahrhunderts liegt damit fast zwanzig Jahre nach dessen Tod in bisher unerreichter Vollständigkeit in deutscher Übersetzung vor, nachdem es aufgrund seiner Sympathien mit dem Kommunismus seit den 1950er zunächst vor allem in der DDR für ein deutsches Publikum erschlossen worden war.

Die aus den 1920er bis 60er Jahren stammenden Texte bezeugen Laxness‘ stilistisch meisterhafte – die Bandbreite von Realismus bis Mystik sowie Komik bis Tragik ausmessende – Erzählkunst. Man könnte sagen, dass Laxness im entrückten Alltag der Isländer den Widerschein der Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts entdeckt und einfängt. Nicht zuletzt spiegeln seine Erzählungen die sich wandelnden philosophischen und politischen Positionen des Autors, seine Konversion vom frommen Katholiken zum Surrealisten und Kommunisten sowie seit den 60er Jahren zum Anhänger fernöstlicher Weisheitslehren. Unsere besondere Empfehlung ist die 1942 verfasste Erzählung Die Niederlage der ita­lienischen Luftflotte 1933 in Reykjavik, die mit feinem Humor die Widerstandspotenziale einfacher Menschen gegen politisch mächtige Großmäuler beschwört.