Go to Top

Felix Lüttge: Auf den Spuren des Wals. Geographien des Lebens im 19. Jahrhundert, Wallstein, 279 S., gebunden, 28 €

Wale stehen schon seit Jahren im Fokus des populärwissenschaftlichen Interesses, wobei wechselweise ihre außergewöhnliche Intelligenz, die sich um ihr Wesen rankenden Legenden sowie die Bedrohung durch den Walfang und die Forderung seines Verbots im Vordergrund stehen. Zuletzt hat der 200. Geburtstag von Herman Melville, Verfasser des vermutlich bedeutendsten „Walromans“ der Literaturgeschichte und seines „Helden“ Moby Dick, die Literatur zum Thema nochmals befeuert. Dass es trotz alldem immer noch unterbelichtete Aspekte der Meeresriesen gibt, die gleichwohl hochspannend sind und die literarische Aufarbeitung lohnen, beweist das neue Buch des in Basel lehrenden Kulturwissenschaftlers und Historikers Felix Lüttge. Konkret hat sich dieser der Spuren der Wale in der Geschichte des menschlichen Wissens von der Natur angenommen. Gerade indem die Wale sich einfachen Klassifikationen und Beschreibungen entzogen, haben sie über die Jahrhunderte immer wieder die Aufmerksamkeit der Natur- und Geisteswissenschaftler geweckt. Indem diese den Schiffen der Walfänger folgten, die ihrerseits gleichsam Weltreisende auf den Spuren der Wale waren, brachten sie ein enormes nicht nur zoologisches, sondern auch ozeanographisches, kartographisches und naturhistorisches Wissen hervor – bis hin zur Entdeckung zahlreicher bis dahin unbekannter Inseln, die an deren Routen lagen.