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Eva Christina Zeller: Proviant von einer unbewohnten Insel. Gedichte, Verlag klöpfer.narr, 137 S., gebunden, 20 €

Der in Tübingen ansässige Verlag klöpfer.narr hat einen neuen Gedichtband der Schriftstellerin Eva Christina Zeller vorgelegt, in dem – neben Bäumen und Schwalben – diverse Inseln und in metaphorischem Sinn auch die Insel selbst die Hauptrollen spielen. Der erste Abschnitt unter der Überschrift Robinsonade ist vom Aufenthalt auf einer Schäreninsel des Aland-Archipels inspiriert, weitere von Ingmar Bergmans Wahlheimat Fáro, von Gotland, Venedig und der irischen Küste, zudem klingen in den poetischen Momentaufnahmen der Autorin weitere Reiseimpressionen von Finnland bis Südafrika an. Diese verbinden sich zu einem Kaleidoskop prägnanter Naturbeobachtungen und Reflexionen der mit wachen Augen und Ohren reisenden Autorin. Wenn sie Inseln etwa als „Schönheitsflecken“, „schlafende Elefanten“ oder „Steinleiber“ tituliert, legt sie aufs Schönste Beweis davon ab, dass die Zeiten poetischer Inselreden noch lange nicht vorbei sind und diese keineswegs zu nostalgischer Rückschau und Wiederholzung verdammt sind – mit Zellers eigenen Worten aus dem Gedicht du willst nicht insel sein: „wie wunderbar doch menschen sind/ sie haben sprache…!