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Dieter Richter: Fontane in Italien, Wagenbach, 142 S., Leinen, 18 €

Zweimal reiste Theodor Fontane nach Italien – zunächst im Herbst 1874 zusammen mit seiner Frau Emilie per Eisenbahn-Rundreisebillet nach Verona, Venedig, Florenz, Rom und Neapel und im Jahr darauf nochmals allein in diverse oberitalienische Kunstzentren. Allerdings ließ er die Italien-Begeisterung der meisten seiner Zeitgenossen vermissen, vielmehr zeigt sein Reisetagebuch dieselbe Ambivalenz und kritische Distanz, die auch seine übrigen Werke bis heute zu einer spannenden Lektüre macht. Selbst Venedig empfand er über weite Strecken als „langweilig“ und notierte etwa: „Da macht das Meer bei Brighton doch einen anderen Eindruck.“ Nach seiner Rückkehr bekundete er in einem Brief, in Italien sei ihm klargeworden, dass seine „bescheidene Lebensaufgabe nicht am Golf von Neapel, sondern an Spree und Havel, nicht am Vesuv, sondern an den Müggelbergen liegt“. Gleichwohl haben die beiden Italienreisen in Fontanes dichterischem Werk reichhaltige Spuren hinterlassen, nicht zuletzt in seinem Roman Effi Briest, wo die Heldin sich ausgerechnet in Alt-Sassnitz an Capri und Sorrent erinnert fühlt.

Der Germanist und Altphilologe sowie profunde Italienkenner Dieter Richter, Jahrgang 1938 und bekannt durch zahlreiche kulturhistorische Publikationen, etwa über Capri, den Vesuv, Neapel und den metaphorischen Süden, ist der ambivalenten Italienerfahrung Fontanes detailliert nachgegangen. Mit seinem im Wagenbach Verlag erschienenen Band Fontane in Italien liefert er einen der interessantesten publizistischen Beiträge zu dem aus Anlass des 200. Geburtstags des Dichters ausgerufenen „Fontane-Jahr“.