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César Aira: Die Prinzessin Primavera, Matthes & Seitz Berlin, 121 S., gebunden, 18 €

Der Berliner Verlag Matthes & Seitz macht sich seit einigen Jahren um die Herausgabe von deutschen Erstausgaben der Werke des argentinischen Autors César Aira verdient. Der neueste in der Bibliothek César Aira erschienene Titel ist der auf einer Insel der Karibik angesiedelte Kurzroman Die Prinzessin Primavera – ein anspielungsreicher, grotesker Prosatext, der sich am gängigen Inventar phantastischer Inselerzählungen bedient. Aira, Jahrgang 1949 und gelegentlich als Nobelpreis-Kandidat gehandelt, hat in seiner Heimat bereits 90 literarische Werke, zumeist ca. 100 Seiten umfassende Erzählungen, publiziert – insgesamt zehn davon werden bei Matthes & Seitz Berlin in deutscher Übersetzung erscheinen. Von der Literaturkritik wird Aira gern in eine von Franz Kafka über seinen Landsmann Jorge Luis Borges reichende Traditionslinie gestellt, in die allerdings ein weiterer, in Deutschland kaum bekannter Altmeister der argentinischen Moderne einzufügen ist: nämlich der auch von Borges bewunderte Macedonio Fernández, dem Aira das Stilmittel entliehen hat, seinen Lesern den fiktionalen Charakter seiner Texte kontinuierlich ins Bewusstsein zu rufen. In der Geschichte um die Prinzessin Primavera, in der deutschen Übersetzung auch Fräulein Frühlinggenannt und ihrerseits als literarische Übersetzerin tätig, geschieht dies u.a. durch Auftritte mehrerer märchenhafter Akteure – etwa des mit seiner Flotte zur Eroberung der Insel anlandenden Generals Winter, eines sadistischen Weihnachtsbaums sowie eines herbeieilenden Liebenden, der die Prinzessin in der ganzen Welt gesucht hat.