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Annalene McAfee: Zurück nach Fascaray, Diogenes, 951 S., gebunden, 32 €

Die Insel Fascaray ist, wie es im Roman von Annalena McAfee an einer Stelle heißt, „ein Bonsai-Schottland“, und die dort angesiedelte Geschichte um den zum Nationaldichter avancierten Eigenbrödler Grigor McWatt in erster Linie als Roman über Schottland und das Schottische – zu Zeiten von Brexit und eigenen schottischen Unabhängigkeitsbestrebungen – zu lesen. Dabei ist die eigentümliche Insel ebenso Fiktion wie der darauf hausende Dichter, dem nach seinem Tod ein Museum errichtet werden soll. Für die andere Heldin des Romans, die Literaturwissenschaftlerin Mhairi McPhail bietet die Ausschreibung einer entsprechenden Stelle die willkommene Gelegenheit, nach dem Scheitern ihrer Ehe in den USA der Großstadt und Amerika den Rücken zu kehren und sich zusammen mit ihrer Tochter auf der Insel im hohen Norden einer Phase der Selbstfindung zu unterziehen. Watts Werk, in das sie vor Ort eintaucht, sowie einige dunkle Kapitel seiner Biographie liefern die Rahmenhandlung des fast 1000 Seiten starken Romans, wobei sich die Perspektive der Wissenschaftlerin mit derjenigen McWatts selbst in Gestalt von ihm hinterlassener Texte abwechselt. Unter diesen finden sich neben Betrachtungen über Land und Leute ausufernde Listen schottischer Ausdrücke für Wetterphänomene, Empfindungen und Landschaften, Verzeichnisse der auf der Insel beheimateten Pflanzen und Tiere, Kochrezepte usw. usf. Dass es zum Schluss auch noch eine überraschende Wendung gibt, lässt sich ahnen…